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Sonntag, 4. Juni 2006
Baum der Zärtlichkeit
… so wird im Lebensbaumkreis am Himmel jener Baum genannt, der mir zugordnet ist und den ich auch besonders gerne mag: die Linde (lat. Tilia).
Erst heute habe ich beim Laufen im Waldmüllerpark nach den Knospen gesehen, die sich bald zu den unscheinbaren gelbweißen Blütensternen öffnen und den ganzen Park mit ihrem wunderbaren Duft durchdringen werden.
Erinnerungen an Kindertage werden wach. An heiße Wangen und schwere Glieder, hervorgerufen von einer starkern Erkältung. Und an die Oma, die duftenden, mit Honig gesüßten Lindenblüten-Tee in einem Gmunder Keramik-Heferl bringt: „Trink Kind, gleich wird’s besser und Du schläfst Dich gesund.”
Später dann, in meiner ersten eigenen Wohnung, ging das Wohnzimmer hinaus auf eine kleine, mit Linden gesäumte Gasse. Im Sommer tauchten die durch’s Blattwerk gefilterten Sonnenstrahlen das Zimmer in ein grünliches Licht. Fast wie ein kühles Aquarium!
Freya, die germanische Göttin der Liebe und des Glücks wurde in der Linde verehrt. So nimmt es denn auch nicht Wunder, dass oft wie in Franz Schuberts Lied besungen so manches liebe Wort in ihre Rinde geschnitzt wurde.
„Ich, die Linde, verströme heilenden Duft. Ich bin der Baum des Lebens.” so schließt die Linde im Lebensbaumkreis und so schließe auch ich in froher Erwartung des olfaktorischen Genusses.


