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schmaler Grat

Mit Interesse verfolge ich die Diskussion, die sich derzeit rund um die Absetzung der Oper „Idomeneo” in Berlin ergibt. Die Intendantin hat quasi im vorauseilenden Gehorsam den Spielplan geändert, um keinen Anlass für Sicherheitsgefährdungen zu bieten.

Zuerst war ich baff erstaunt: Idomeneo? Was wäre an der Mozartoper die Sicherheit gefährdend?
Doch dann habe ich erfahren, dass in der Neuinszenierung geköpfte Götter gezeigt werden. Poseidon, Jesus, Buddha und … ja genau, jetzt wird’s haarig … Mohammed gehören – ihrer Körper beraubt und womöglich noch mit Spuren der Gewalt, die man ihnen angetan – zum Bühnenbild.

Uh-oh Leute! Künstlerische Freiheit in Ehren, aber müssen es wirklich so drastische Bilder sein, von denen wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit annehmen können, dass sie die Gemüter von Moslems mehr als erhitzen?

Es ist schon richtig, dass mit der Absetzung ein Stück weit die inadäquate Wahl der Mittel bestätigt wird, welche Terroristen eindeutig tätigen. Wird das Einstehen für diese Prinzipien aber auch dann noch als richtig empfunden, wenn wirklich was passieren sollte? Wäre die künstlerische Freiheit Menschleben wert? Und wer würde die Verantwortung dafür übernehmen?

Es ist ein schmaler Grat, der Respekt vor dem Du von der Verleugnung des Ichs trennt …

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Kommentar/e

  1. Sabine
    4. Oktober 2006 - 11:33

    Hallo Karin,
    deine Überschrift trifft den Kern der Dinge – ein schmaler Grat. Ich reise auch sehr gerne und auch sehr gerne in muslimische Länder (Ägypten, Tunesien, Jordanien, Malaysia) und bin daher auch nicht ganz unbedarft was diese Kulturen angeht. Dennoch finde ich, dass unsere Meinungsfreiheit ein Gut ist, das man nicht hoch genug einschätzen kann. Wir dürfen nicht im vorauseilenden Gehorsam UNSERE Kultur verlieren.
    Und dürfen wir nicht auch das selbe Recht auf Verständnis, Toleranz und Rücksichtnehme in Anspruch nehmen,das die Muslims fordern? Was würde denn passieren, wenn auf unseren Straßen Fahnen muslimischer Länder verbrannt würden? Wer Toleranz und Rücksichtnahme erwartet, muss auch tolerant und rücksichtsvoll sein! Zumal meiner Ansicht nach dieses ganze Gemache doch oft nur ein Vorwand ist, es geht doch in Wahrheit weder um Religion noch um Glauben, es geht einzig und allein um Macht.

  2. 5. Oktober 2006 - 19:33

    Servus Sabine!
    Danke für Deine Gedanken zu diesem Thema. Deine Meinung teile ich zum allergrößten Teil. Auch ich möchte gerne eine Österreicherin und Europäerin bleiben, mit der dazugehörigen Kultur und mich deswegen nicht vor Strafe oder Verfolgung fürchten müssen oder aus Angst meine Identität verlieren.
    Einzig wenn Du schreibst „Wer Toleranz und Rücksichtnahme erwartet, muss auch tolerant und rücksichtsvoll sein!“ frage ich mich, ob geköpfte Heilige ein gutes Sinnbild für Toleranz sind …? Es heißt auch „Der Bewußtere trägt die Verantwortung“ und vielleicht sind das ja in diesem Falle WIR.
    liebe Grüße,
    Karin

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