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Freitag, 20. Oktober 2006
Von der Schönheit des Nützlichen
„Schön ist alles, was Funktion hat” sagte jemand, den ich einst kannte und nahm dies zum Anlass, Provisorien mit ungehobeltem Staffelholz und Doppelklebeband als Designerstücke auszurufen. Nun, diese Art von Schönheit will ich heute nicht unter die Lupe nehmen – sie liegt doch zu sehr im Auge des Betrachters.
Vielmehr geht es wieder einmal um mein Lieblingsthema, den Garten und die unterschiedlichen Ansprüche, die seine Besitzer an ihn stellen.
Oftmals ist es so, dass der Gärtner (die gewählten Geschlechter können natürlich wahlweise getauscht werden) eine Nutzfläche mit Essbarem wie Gemüse, Obst und vielleicht noch ein paar Kräutern möchte, während die Gärtnerin von einer duftenden Oase mit üppigem Blütenschmuck träumt.
Dass diese beiden Vorstellungen einander nicht widersprechen müssen, findet man wunderbar in den Gärten des Loire-Schlösschen Villandry verwirklicht. Schloss und ursprüngliche Parkanlage wurden im Stil der Renaissance 1536 fertig gestellt. Der weltberühmte heutige Garten ist allerdings das Ergebnis einer Umgestaltung im 19. Jh.
Joachim Carvallo, der Urgroßvater des heutigen Schlossbesitzers, verwendete typische Stilelemente wie die symmetrische Anordnung, geometrische, mit niedrigen Buchshecken gesäumte Beete und eine gelungene Bepflanzung aus Gemüse, Kräutern, Obst und Blumen. Dabei sind diese nicht wild durcheinander gepflanzt sondern Farben und Formen gekonnt und mit viel künstlerischem Geschick kombiniert. Sorgfältig achtet man darauf, dass etwa das Violett der Krautköpfe durch das zarte Blau der Lauchblüten betont und die bunten Stiele des Mangolds nicht vom kräftigen Orange des Kürbis erdrückt werden.
Historische Pläne von Klostergärten wurden genauestens studiert und rekonstruiert – waren sie doch früher eine Quelle an Wissen, welche es den Menschen ermöglichte, sich weitgehend autark mit Nahrung zu versorgen und auch die Hausapotheke mit allerlei nützlichem Kraut zu füllen.
Ist es auch leider so, dass die meisten von uns kein Fleckchen Grün von den Ausmaßen Villandrys ihr Eigen nennen können sondern sich mit wesentlich bescheideneren Dimensionen begnügen müssen, so kann diese ungewöhnliche Gartenanlage uns doch als Vorbild für die Schönheit des Nützlichen auch im eigenen Schrebergarten oder auf Balkonien dienen.


