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Dienstag, 3. Juli 2007
Die Tochter des Kupferstechers
Während unseres Schottlandurlaubes waren wir natürlich auch ein paar Tage in Edinburgh und haben dort u.a. den Palace of Holyroodhouse besucht. Einstmals als Mönchskloster erbaut, wohnte schon Mary Queen of Scots (who else?!
) in diesen ehrwürdigen Gemäuern, die heute der Queen offizielle Bleibe in Schottland darstellen.
Nebst den sehenswerten Innenräumen, den Abteiruinen und dem Park, kann man von hier aus auch gleich die angrenzende Queen’s Gallery mit ihrer aktuellen Ausstellung „Amazing Rare Things“ besichtigen. Haben wir gemacht.
Wie magisch angezogen war ich schon von dem Werbeplakat in Grün und Weiß, auf dem sich eine blühende Passiflora elegant wand und rankte. Der lockende Untertitel „Die Kunst der Naturgeschichte im Zeitalter der Entdeckungen“ hat dann ihr Übriges zu meinem gänzlichen Verfall beigetragen. Nichts wie hinein!
In der Galerie war ich dann begeistert von den Skizzen, Aquarellen und Stichen, die ich da zu sehen bekam. Allen voran jene von Maria Sibylla Merian (1647 – 1717).
Der früh verstorbene Vater war Kupferstecher, der fördernde Stiefvater ein Blumen- und der spätere Gemahl ein Architekturmaler. So hatte das junge Mädchen Gelegenheit, das Handwerk des Zeichnens, Malens und Stechens ausgiebig zu erlernen.
In einer Zeit, da ein Großteil der Menschheit Insekten noch für Abbilder des Teufels hielt, war Maria Sibylla hingerissen von der Metamorphose der Schmetterlinge, die sie detailliert festzuhalten verstand.
Ihre Studien ließen ihr nicht viel Zeit für ihren Mann, der ohnehin einigen Affairen frönte. Daraufhin verließ Maria Sibylla den Treulosen – auch nicht gerade üblich für die damalige Zeit. Doch es sollte noch toller kommen.
Begeistert durch die Sammlungen eines Bekannten, dem ehemaligen Gouverneur von Surinam, unternahm die Künstlerin entgegen dem Rat aller ihrer Freunde kurzerhand mit ihrer Tochter eine Reise in jenes ferne, exotische Land. Dort dokumentierte sie alles, was ihr über die Verwandlung tropischer Insekten unter die Augen kam.
Eine Erkrankung zwang sie zur verfrühten Heimreise nach Amsterdam. Aus den Unmengen an Zeichnungen und Skizzen ließ sie ein aufwändiges, prachtvolles und auch teures Buch herstellen, das unter dem Namen „Metamorphosis insectorum Surinamensium“ herausgegeben wurde.
Von dem Verlag ihrer Bücher alleine konnte die Malerin allerdings nicht leben, zu teuer war die Herstellung. Mit Malstunden und dem Verkauf verschiedener Malutensilien besserte sie ihren Lebensunterhalt auf.
1717 verschied die als Künstlerin und Naturforscherin berühmte Dame 70-jährig und an den Rollstuhl gefesselt. Meine Unwissenheit, dass sie sogar eine Zeit lang den 500-DM-Schein geziert hat, sei mir verziehen – ich bin schließlich eine Ösi, gell?
In jedem Fall eine besondere Frau, deren Werke ich mit großer Begeisterung in The Queen’s Gallery bewundert habe.
Tags: Kunst

