Erfolgreich bloggen » « Foto-Video Digital 12/2005

Gratwanderung

Da ich heute im Büro zufällig eine Werbezuschrift an Herrn Karin Pöschel bekommen habe, sind meine Gedanken wieder einmal zur „weiblichen“ Sprache abgeglitten …

Erstaunlich eigentlich, wie empfindlich man(n) auf die Forderung nach geschlechterspezifischer Sprache reagiert und wie selbst frau dies abtut, verharmlost oder gar entwertet. Von Umständlichkeit bis Lächerlichkeit reichen die Argumente, warum es denn gar nicht notwendig sei, auch Frauen anzusprechen – sind ja eh immer mitgemeint.

Warum muss ich mich mitgemeint fühlen? Was ist lächerlich daran, dass ich gerne mit einer weiblichen Bezeichnung angesprochen werden will?

In meiner Vorstellung schaffen wir unsere Realität durch das, was wir denken. Da wir unsere Gedanken meist – oder zumindest auch – in Worte kleiden, prägt auch die Sprache unsere Wirklichkeit. In letzter Konsequenz würde das Negieren einer weiblichen Anrede das „Wegdenken“ mehr als der Hälfte der Erdbevölkerung bedeuten – sind ja eh immer mitgemeint.

Ein provokanter Ansatz, ich weiß, aber so falsch?

Viele interessante und nachdenkenswerte Artikel zu diesem Thema sind zu finden unter
Frauensprache - klick hier

Ähnliche Beiträge hier auf Schuschels Senf:

4 Kommentare to “Gratwanderung”

  1. Mauerkatze schrieb am

    Grundsätzlich geb ich dir recht.
    Allerdings bei Titeln finde ich es überflüssig, zu sagen:
    Frau Inspektorin, Frau Ingenieurin, ….etc.
    Das sehe ich als Pleionasmus.
    Ich meine der Titel an sich ist etwas unveränderliches und wird dann mit Frau oder Herr davor näher spezifiziert.

  2. Karin schrieb am

    Hm, meinst Du wirklich Mauerkatze?

    Dann würde wohl auf meiner Visitenkarte stehen:

    Karin P.
    Frau Abteilungsleiter
    Zentrales Speichermanagement
    … etc. pp.

    Ehrlich gesagt mochte ich es schon in der Volksschule nicht, wenn meine MitschülerInnen (mit Binnen-I *hihi*) „Frau Lehrer“ gerufen haben.

    Und wenn es keine direkte Anrede ist, sollte dann bspw. von den Damen und Herren Lehrern gesprochen werden oder wie meinst Du?

  3. Mauerkatze schrieb am

    Einerseits ist ja z.B. Lehrer kein Titel sondern eine Berufsbezeichnung, und Abteilungsleiter eine Funktionsbezeichnung – ebenso wie es Z. B. Direktor – als Funktionsbezeichnung heisst es „Direktorin“ in der Anrede „Frau Direktor“ (meinem persönlichen Sprachgefühl nach) – ich finde , man sollte nicht alles mit Krampf umändern wollen.

    Ganz abgesehen davon hätten die Frauen sicher mehr davon wenn sie für gleiche Leistung gleich bezahlt würden.

  4. Karin schrieb am

    Ich möchte bestimmt keine Haarspalterei über Funktionstitel und Berufsbezeichnungen betreiben und auch nicht mit Krampf alles umändern (wobei „Krampf“ schon wieder eine sehr subjektive Geschichte sein kann).

    Worum es mir geht ist, dass auch Frauen angesprochen werden und nicht nur „eh mitgemeint“ sind. Wissenschaftliche Studien, die an mehreren TeilnehmerInnen beiderlei Geschlechts durchgeführt wurden, haben bspw. gezeigt, dass sich ein Großteil der Testpersonen nur Männer vorstellt, wenn nur die männliche Form verwendet wird – also z.B. nur männliche Ärzte und keine Ärztinnen.

    Ich gebe Dir 100% recht Mauerkatze, dass Gleichbehandlung nicht bei der Sprache aufhören darf. Meiner Meinung nach muss sie aber dort ANFANGEN! Wenn schon in unserer Sprache Frauen nicht (überzeichnet) vorkommen, wie sollen sie es dann in wirtschaftlichen Bereichen?!

Diesen Eintrag kommentieren

Subscribe without commenting

 Erfolgreich bloggen » « Foto-Video Digital 12/2005