Bibbern für die Arterhaltung » « 25 Bilder, die exakt zum richtigen Zeitpunkt gemacht wurden

Die Rache ist weiblich

Das Mädchen, das die Seiten umblättert (Einzel-DVD)
Es war einmal ein braves blondes Mädchen, das ins Konservatorium gehen wollte. Sehr zur Freude von Papa und Maman, welche die unzähligen konsequenten Übungen der kleinen Virtuosin mit Geduld und Stolz beobachten. Am Tag der Prüfung passiert jedoch etwas Unvorhergesehenes, das Melanies – so der Name des Klavier spielenden Mädchens – Leben für immer verändern sollte.

Anfangs läuft das Vorspielen sehr gut und die Jury ist sehr zufrieden als plötzlich ein Mitglied der Prüfungskommission, eine bekannte Pianistin, einem Fan ein Autogramm gibt. Melanie gerät völlig aus dem Konzept und bringt ab dieser störenden Unterbrechung keine richtige Note mehr zustande. Zutiefst enttäuscht und verletzt verlässt sie den Ort ihrer Niederlage, der nun mit einem Schlag für sie unerreichbar geworden ist.

So konsequent wie sie geübt hat räumt sie nun sämtliche Zeugnisse ihrer musikalischen Ambitionen weg, schließt das Klavier ab und rührt keine Taste mehr an. Der Traum von einer Laufbahn als Pianistin ist auf immer zerstört.

Jahre später tritt Melanie, inzwischen zum Inbegriff einer grauen Maus aus bescheidenen Verhältnissen geworden, ein Praktikum in einer Anwaltskanzlei an. Durch ihr ruhiges Auftreten und ihre Zuverlässigkeit gewinnt sie das Vertrauen des Maitre, der sie während er Sommerferien als Kindermädchen für seinen Sohn engagiert.

Auf dem Anwesen außerhalb der Stadt angekommen stellt Melanie fest, dass die Mutter des Filius just jene einstmals berühmte Konzertpianistin ist, welche mit ihrem damaligen unbedachten Verhalten ihr Leben zur Mittelmäßigkeit verdammt hat. Unerkannt gewinnt sie das Vertrauen aller Familienmitglieder und der subtile Rachefeldzug beginnt.

Da die Pianistin nach einem Autounfall nervlich sehr angeschlagen und dadurch im Begriff ist, den letzten Rest ihrer Karriere wegen Lampenfiebers auch noch zu verlieren, ist sie mehr als froh in dem ruhigen Kindermädchen eine Seitenumblätterin zu finden, die nicht nur ausgezeichnet Noten lesen kann sondern auch noch stärkend auf ihr angegriffenes Nervenkostüm wirkt.

Raffiniert treibt Melanie die Konzertpianisitin in immer größere Abhängigkeit, bis diese ihr hoffnungslos ausgeliefert ist – und dann schlägt sie zu und rächt sich für ihr ganzes verpfuschtes Leben. Leise lächelnd verlässt sie still den Ort ihrer Rache und das familiäre Desaster nimmt seinen Lauf.

Der gesamte Film ist kein einziges Mal laut oder aufdringlich, sondern baut nach und nach eine sehr subtile Spannung auf. Hält man anfangs noch zu Melanie, dem gedemütigten kleinen Mädchen, so schlägt sich die Sympathie im Laufe des Filmes merklich auf die Seite der Pianistin, deren einstige Unbedachtheit ihr zum Verhängnis wird.

Sehr französisch, sehr minimalistisch, sehr gut!

Tags: ,

Ähnliche Beiträge hier auf Schuschels Senf:

Derzeit gibt es noch keinen Kommentar.
Wir freuen uns, wenn Deiner der Erste ist.

Diesen Eintrag kommentieren

Subscribe without commenting

 Bibbern für die Arterhaltung » « 25 Bilder, die exakt zum richtigen Zeitpunkt gemacht wurden