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Mittwoch, 21. Mai 2008
Stinktierkraut
Letztens in Washington, USA war ich mit meiner kleinen Kamera „bewaffnet“ in den Wäldern nahe Seattle unterwegs. Kaum biegt man mit dem 4WD-Vehikel vom mehrspurigen Highway ab, ist man auch schon mitten in einem Märchenwald.
Meterhoher Schneewächten (ja, im Mai!) hindern selbst das 4WD-Auto am Gipfelstürmen, klare Bäche plätschern fröhlich über bunte Kieselsteine, hohe Bäume stehen dicht an dicht, in deren Schatten riesige Farne unter bemoosten Ästen hervorlugen und gelbe Scheincalla an sauren Lacken stehen.
Vor allem letztere, botanisch Lysichiton americanus genannt, hat es mir angetan. Die Amerikaner nennen das auffällige Sumpfgewächs Skunk Cabbage, was auf Deutsch etwa soviel wie Stinktierkraut bedeutet.
Der Name kommt tatsächlich von dem muffigen Geruch, den die Pflanze verbreitet. Das tut sie, um Fliegen und andere Insekten, die Aas lieben, zwecks ihrer eigenen Vermehrung anzulocken. Das Aaronstabgewächs hat aber auch noch anderes auf Lager! Damit es den oft strengen Winter überlebt, besitzt die auch Sumpflaterne genannte Pflanze die Fähigkeit, in geringem Ausmaß Hitze zu erzeugen. Gerade so viel, um damit den Schnee rund um sich zu schmelzen und so die Überlebenschancen zu erhöhen.
Während Skunk Cabbage für die einen nur als Unkraut gilt, so tun sich die Bären an den Wurzeln gütlich. Sie nutzen sie nach dem Winterschlaf als pflanzliches Abführmittel. Eingeborene verwendeten die Scheincalla um Brandwunden zu heilen und wegen ihrer abschwellenden Wirkung als Heilpflanze.
Scheincalla sind in Nordamerika heimisch und gelten bei uns als Neophyten.
Jedenfalls sind die leuchtend gelben Blumen wunderschön anzusehen im dunklen Märchenwald und ich finde es toll, so interessante und fremdartige Pflanzen nebenbei kennen zu lernen.
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